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Low Vision

Was ist Low Vision?

Der Begriff Low Vision umfasst alle jene Sehschädigungen, die trotz einer Korrektur durch herkömmliche optische Hilfsmittel, wie Brillen und Kontaktlinsen zu einer visuellen Beeinträchtigung führen, die sich aber

  • durch den Einsatz optischer oder elektronischer oder ergonomischer Hilfsmittel,
  • durch Veränderungen in der Umwelt oder
  • das Erlernen spezieller Techniken und Vorgehensweisen mindern lassen.

Mit dem Begriff Low Vision wird versucht, weg von vermeintlich objektiven Normen zu kommen und hin zu einer praktikableren Definition zu führen. Der Begriff Low Vision ist also sehr weit gefasst und unspezifisch bezüglich des Sehschärfenniveaus oder anderer visueller Funktionen, wie dem Gesichtsfeld oder der Farbwahrnehmung. Low Vision trägt der Tatsache Rechnung, dass der Bestimmung dessen, was als funktionsfähiges Sehvermögen angesehen werden kann und was nicht in großem Maße von den individuellen Lebensumständen des einzelnen Menschen abhängt.

Wie wirken sich Krankheit auf die Augen aus?

Augenerkrankungen und allgemeine Systemerkrankungen lassen sich nach den Schädigungen klassifizieren, die sie im Auge verursachen können. Abhängig von der zugrundeliegenden Störung kommt es zu unterschiedlichen Schädigungen des Auges.
Die zugrundeliegenden Krankheiten wirken sich entweder auf das seitliche Gesichtsfeld aus und verursachen dort den totalen Ausfall oder eine Funktionsminderung der beteiligten Bereiche der Retina. Daneben gibt es Störungen, die das zentrale Gesichtsfeld betreffen und zu einem totalen Ausfall oder einer Funktionsminderung der betreffenden Bereiche führen können.

Darstellung der Gesichtsfeldeinschränkung durch ein zentrales Absolutskotom
Quelle: acbvi.org

Weiterhin sind Störungen zu beobachten, die eine Verminderung der Sehschärfe nach sich ziehen ohne eine nachweisbare Einschränkung des Gesichtfeldes. In der Praxis sind sehr häufig Mehrfachstörungen anzutreffen, die zu kumulativen Schädigungen und entsprechenden Beeinträchtigungen führen können.

Die Sehschärfe bei Klienten mit Low Vision variiert von fast normal bis zu nahezu blind. Ebenso reichen Gesichtsfelddefekte von kleinen zentralen Abschwächungen bis zu großen Ausfällen des peripheren Gesichtsfeldes.
Diese Schädigungen können zu einer Beeinträchtigung der Fähigkeiten einer Person, bestimmte Aufgaben auszuführen, führen. Betroffen ist häufig die Fähigkeit einer Person sich sicher, zielgerichtet und unabhängig von der Hilfe anderer in ihrer Umgebung fortzubewegen, also Orientierung und Mobilität. Daher benötigen auch viele sehbehinderte Klienten Unterricht in Orientierung und Mobilität. Besonders betroffen sind davon Personen mit einem Ausfall des peripheren Gesichtsfeldes.
Ein Ausfall oder eine Einschränkung des peripheren Gesichtsfeldes schränkt den Klienten in seinen alltäglichen Verrichtungen, insbesondere Orientierung und Mobilität potentiell mehr ein als ein zentraler Gesichtsfeldausfall oder eine Verringerung der Sehschärfe.

Darstellung der Gesichtsfeldeinschränkung durch ein Röhrengesichtsfeld
Quelle: acbvi.org

Optische Hilfsmittel erweisen sich, besonders in Fällen, wo eine zusätzliche Verminderung der zentralen Sehschärfe vorliegt, oftmals als nicht sonderlich hilfreich.

Als weitere Gruppe lassen sich Klienten identifizieren, bei denen die Sehschärfe massiv reduziert ist.

Darstellung der Gesichtsfeldeinschränkung durch verminderte Sehschärfe
Quelle: acbvi.org

Betroffen von den Störungen dieser Gruppe sind hauptsächlich die brechenden Medien des Auges, die Hornhaut, die kristalline Linse und der Glaskörper und nur in geringerem Maße die Netzhaut.
Die Beeinträchtigung kann das gesamte Gesichtsfeld betreffen oder nur auf das zentrale Gesichtsfeld beschränkt bleiben.
Viele Klienten beschweren sich darüber, dass sie Gegenstände nur verschwommen sehen oder ein Dunst über den Gegenständen liegt und dass sie sehr blendempfindlich gegenüber grellem Licht sind. Sie beschreiben ihr verbliebenes Sehvermögen als sehr schwankend, abhängig vom Beleuchtungsniveau und dem Kontrast zwischen Vorder- und Hintergrund.

Klienten mit krankhaften Veränderungen der brechenden Medien sind sehr stark abhängig von der Menge und Richtung des sie umgebenden Lichts und äußerst empfindlich gegenüber grellem Licht von vorne. Dies kann im Freien die Sehschärfe soweit reduzieren, dass sie nichts mehr sehen können und auf Blindentechniken angewiesen sind.
Hinzu kommt eine Verlangsamung der Dunkeladaptation. Ein Klient, dessen Sehvermögen so stark vom Beleuchtungsniveau abhängig ist, erscheint unter sich schnell ändernden Lichtverhältnissen oftmals sehr ängstlich, zögernd und gehemmt. Grundlage des Unterrichts mit sehbehinderten Klienten ist die Einschätzung des funktionalen Sehvermögens.
Darauf aufbauend kann dann der Unterricht geplant und durchgeführt werden.

Darstellung der Gesichtsfeldeinschränkung durch ein
Quelle: acbvi.org

Low Vision und Kinder

Von Geburt an sehbehinderte Kinder haben einen speziellen Förderbedarf. Ein wesentlicher Bereich stellt die Förderung des Sehens selbst dar. Zusätzlich zu den oben genannten Punkten gilt, dass die Förderung zum einen gezielte Übungen visueller Grundfunktionen, wie Abtasten, Verfolgen, Suchen und Vergleichen beinhaltet. Andererseits müssen die Kinder lernen, ihre verzerrten, unvollständigen oder unscharfen visuellen Eindrücke besser zu interpretieren und ihr Sehvermögen besser funktional im Alltag einzusetzen.

Sehbehinderte erwachsene Klienten

Eine weitere Gruppe sehbehinderter Klienten stellen diejenigen dar, die eine Sehbehinderung erst später im Leben erworben haben. Diese Gruppe hat häufig massive psychische Probleme im Umgang mit und der Akzeptanz der eigenen Sehbehinderung, werden sie doch häufig mit den eigenen Einstellungen und Vorurteilen gegenüber Blindheit und Sehbehinderung konfrontiert. In vielen Fällen lehnen sie anfänglich Hilfsmittel, die von Ihnen als mit Blindheit verbunden gesehen werden, ab. Ihre Einsicht in die Anwendung von Blindentechniken ist häufig nicht ausgeprägt und muss erst langwierig erarbeitet werden. Bei dieser Personengruppe ist es besonders wichtig, dass mit viel Einfühlungsvermögen vorgegangen wird. Besonders schwierig fällt es dieser Gruppe einzuschätzen, wann sie sich auf ihre Augen verlassen können und wann sie sich auf den Langstock oder ein anderes Hilfsmittel verlassen müssen.