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Orientierung und Mobilität

Was ist Orientierung und Mobilität?

Ein Mann mit weißem Langstock sucht seinen Weg um eine Hausecke herum

Eine gravierende Folge von Blindheit oder einer hochgradigen Sehbehinderung stellt die Beeinträchtigung der selbständigen Fortbewegung dar. Die Fähigkeit, sich sicher und gezielt sowie unabhängig von der Hilfe anderer fortbewegen zu können, ist jedoch die Voraussetzung für eine selbständige und selbstbestimmte Lebensführung.
Durch den teilweisen Ausfall oder auch völligen Wegfall des Sehvermögens sind die betroffenen Menschen in hohem Maße in ihrer Bewegungsfreiheit und Orientierungsfähigkeit eingeschränkt. Der betroffene Personenkreis benötigt daher die Hilfe und Unterstützung von qualifizierten Fachleuten, die in der Orientierungs- und Mobilitätsschulung die notwendigen Fertigkeiten für eine sichere Fortbewegung vermitteln und die Fähigkeiten der blinden oder sehbehinderten Person, sich gezielt fortzubewegen, aufbauen oder verbessern. Orientierung ist die Fähigkeit, zu wissen wo man ist, wo man hin will und wie man dort hin kommt. Mobilität bedeutet die Fähigkeit, sich sicher und selbständig fortbewegen zu können.

Wie selbständig kann man werden?

Das Ausmaß der angestrebten Selbständigkeit ist abhängig von den beruflichen und privaten Bedürfnissen und Notwendigkeiten des einzelnen und wird auch stark von der Wohnsituation beeinflusst.
Das Spektrum für den Unterricht in Orientierung und Mobilität ist sehr weit gefächert. Während es für den einen ausreichend sein mag, einige Spazierwege in der nahen Wohnumgebung allein bewältigen zu können, muss der andere lernen, sich in einer Großstadt zu orientieren, mehrspurige Straßen zu überqueren und die Straßenbahn zu benutzen.

Wer kann daran teilnehmen?

Ein Junge geht mit Hilfe des weißen Langstocks eine Treppe hinunter
Der Unterricht kann vom Vorschulalter bis ins hohe Erwachsenenalter durchgeführt werden. Auch Menschen mit zusätzlichen Beeinträchtigungen sensorischer, kognitiver und motorischer Art können mit speziellen Methoden geschult werden.

Wie lange dauert die Schulung in Orientierung und Mobilität?

Die Dauer hängt neben den individuellen Bedürfnissen vom Alter der Betroffenen, vom Zeitpunkt des Eintretens und von der Art und dem Ausmaß der Sehschädigung ab. Auch spielen Faktoren wie Dauer der Sehschädigung, physische Fitness und psychische Stabilität und Belastbarkeit eine wichtige Rolle bei der Bemessung der Unterrichtsdauer.

Welche Inhalte hat die Schulung in Orientierung und Mobilität?

Ein Junge sucht mit Hilfe des weißen Langstocks den Weg entlang einer Hecke
Während dieser Unterrichtsstunden lernen sowohl sehbehinderte als auch vollblinde Klienten, die ihnen verbliebenen Sinne effektiv einzusetzen, damit sie Informationen über ihre Umwelt gezielter sammeln und besser auswerten können.
Der sehbehinderte Klient lernt, seine evtl. verzerrten oder unvollständigen visuellen Eindrücke besser zu interpretieren. Der Unterricht mit sehbehinderten Klienten schließt das Training im Gebrauch optischer Sehhilfen (z.B. Monokular) und elektronischer Hilfsmittel mit ein.
Beim vollblinden Klienten liegt der Schwerpunkt auf Gehör- und Tastübungen. Gehörübungen sind wichtig, damit die sehgeschädigte Person lernt, auch stille Hindernisse wie Mauern oder Ampelpfähle zu hören oder Verkehrsabläufe sicher einzuschätzen weiß, um selbständig und sicher am Verkehrsgeschehen teilnehmen zu können.

Was macht der weiße Langstock?

Ein Mann mit weißem Langstock wartet an einer Fußgängerampel
Kernstück des systematischen Unterrichtes in Orientierung und Mobilität für Blinde und Sehbehinderte, deren Sehvermögen für eine sichere Fortbewegung nicht ausreicht, ist das Erlernen der verschiedenen Techniken im Gebrauch des weißen Langstockes.
Der weiße Langstock wird rhythmisch vor dem Körper des Benutzers oder der Benutzerin hin und her bewegt, schützt ihn so weitgehend vor Hindernissen und liefert ihm oder ihr gleichzeitig einen Schritt im voraus wertvolle Informationen über die Beschaffenheit des Bodens und der Umwelt. So warnt der weiße Langstock z.B. rechtzeitig vor abwärtsführenden Treppenstufen oder hilft dem oder der Blinden, an einer Kreuzung den Ampelpfosten zu finden. Ohne den richtig eingesetzten weißen Langstock ist es blinden Personen nicht möglich, sich sicher und selbständig in ihrer Umwelt fortzubewegen.

Gibt es noch weitere Hilfsmittel außer dem Langstock?

Schützt der weiße Langstock den Unterkörper vor Hindernissen, so gibt es noch eine Reihe elektronischer Orientierungshilfen, die den Oberkörperbereich schützen und als Umweltsensoren die Orientierungsfähigkeit verbessern können (zum Beispiel Laser Stock, Sonic Pathfinder, Mowat Sensor oder Ultra-Body-Guard etc). Der Unterricht in der Benutzung dieser Hilfsmittel wird als Ergänzung zur Schulung mit dem weißen Langstock durchgeführt. Informationen zu einer Auswahl elektrischer Orientierungshilfen, finden Sie auf der Seite Elektronische Hindernismelder.
Neben dem Langstock als primärem Hilfsmittel und den verschiedenen sekundären Orientierungshilfen stellen Führhunde eine weitere wichtige und wieder zunehmend an Bedeutung gewinnende Möglichkeit der selbständigen Fortbewegung dar. Der Führhund führt seinen Halter oder seine Halterin selbständig um Hindernisse herum und kann nach dem entsprechenden Training bestimmte Ziele auf ein gegebenes Zeichen selbständig aufsuchen. FOKUS e.V. bietet deshalb den Haltern und Halterinnen von Führhunden Unterstützung bei der Erarbeitung neuer Routen an, die z.B. nach einem Umzug oder der Aufnahme einer anderen Tätigkeit neu gelernt werden müssen.

Wo und wie wird die Schulung durchgeführt?

Um die Sicherheit des sehgeschädigten Klienten zu gewährleisten und ein individuelles Eingehen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Blinden und Sehbehinderten zu ermöglichen, wird der Unterricht stets in Form von Einzelunterricht am Wohnort oder Arbeitsplatz durchgeführt.

Wer zahlt die Schulung in Orientierung und Mobilität?

Kostenträger für den weißen Langstock und den dazugehörigen Unterricht in Orientierung und Mobilität sind in der Regel die Krankenkassen. Diese übernehmen auch die Kosten für Führhunde und die elektronischen Orientierungshilfen. Daneben kommen aber auch die Schulträger, das Arbeitsamt, die Berufsgenossenschaften, Versicherungen und Selbstzahler als Kostenträger in Frage.

Wie beantrage ich die Schulung in Orientierung und Mobilität

Der Unterricht in Orientierung und Mobilität gehört zu den Pflichtleistungen der Krankenkassen (SGB V, § 33 Abs. 1, Satz 2).
Er muss von einem Vertragsarzt verordnet werden. Daher bitten wir Sie, eine ärztliche Verordnung über “2 weiße Langstöcke und Schulung in Orientierung und Mobilität” beim behandelnden Arzt zu besorgen. Die Verordnung senden Sie zusammen mit der Adresse Ihrer Krankenkasse an uns, damit wir für Sie die Kostenübernahme beantragen können. Für den Unterricht benötigen wir weiterhin eine augenärztliche Bescheinigung mit Angaben über die Sehschärfe und das Gesichtsfeld.
Außerdem benötigen wir bis Unterrichtsbeginn ein Audiogramm, das Sie zum Beispiel bei einem Gehörgeräteakustiker anfertigen lassen können.