Ratschlag für sehende Menschen

  • Stellen Sie sich mit Ihrem Namen vor. Viele blinde Menschen schätzen es gar nicht, wenn jemand Spielchen nach dem Motto treibt: "Hallo, wer bin ich?".
  • Sprechen Sie in normaler Lautstärke. Die meisten blinden Menschen können ebenso gut hören wie sehende Menschen.
  • Fragen wie: "Wo will er denn hin?" an die Begleitung sind unhöflich und werden nicht geschätzt. Der Verlust des Sehvermögens bedeutet nicht den Verlust intellektueller Fähigkeiten.
  • Wenn Sie den Eindruck haben, dass der blinde Mensch Hilfe benötigt, sprechen Sie ihn an. In vielen Fällen schauen blinde Menschen sich nur etwas an. Das können sie nur nicht wie Sie aus der Ferne tun, sondern sie müssen an die Dinge herangehen, damit sie sie besser ertasten oder hören können.
  • Wenn es so aussieht, dass der blinde Mensch in eine gefährliche Situation kommt, warnen Sie ihn bitte ruhig davor.
  • Nutzen Sie nicht nur Gesten.Denken Sie daran, dass Ihr Gegenüber nichts mitbekommt, wenn Sie auf Fragen nur verneinend den Kopf schütteln, bejahend nicken, die Schultern hochziehen oder mit den Fingern zeigen.
  • Benutzen Sie in Ihrer Unterhaltung ruhig Begriffe wie sehen, schauen, gucken oder blind.Auch blinde Menschen verstehen diese Begriffe. Sie sind Bestandteil der alltäglichen Kommunikation.
  • Gehen Sie ruhig mal mit einer blinden Person ins Kino, Theater oder zu einem Fußballspiel.Vielen blinden Menschen machen diese Aktivitäten genauso Spaß wie Ihnen.
  • Wenn Sie einem blinden Menschen helfen wollen, fragen Sie ihn, ob er Hilfe wünscht. Niemand, der blind ist, schätzt es, wenn er unaufgefordert am Arm oder Stock angefasst wird und evtl. über eine Straße geführt wird, über die er gar nicht wollte.
  • Manchmal erscheinen blinde Menschen etwas ungehalten, wenn Sie ihnen Hilfe anbieten. Haben Sie Verständnis, vielleicht wären auch Sie ungehalten, wenn Sie irgendwo stehen, um sich ein akustisches Bild ihrer Umwelt zu machen oder nur auf jemanden warten und dauernd kommt jemand, um Ihnen seine Hilfe anzubieten. Die meisten blinden Menschen sind dankbar für Ihre Hilfe.
  • Wenn Sie jemandem über die Straße helfen wollen, fragen Sie, ob die Hilfe erwünscht ist und wie Sie helfen können. Viele blinde Menschen bevorzugen es, Ihren Arm oberhalb des Ellbogens zu nehmen. Damit gehen sie etwas hinter Ihnen und bekommen Informationen darüber, wann es auf die Fahrbahn runter und nach der Überquerung wieder hoch auf den Bürgersteig geht. Sagen Sie bei allen Treppenstufen an, ob es hoch oder runter geht. Stoppen Sie kurz an der Kante der ersten Stufe.
  • Halten Sie nicht mit Ihrem Auto auf der Straße, um einem blinden Menschen das Überqueren zu ermöglichen. Blinde Menschen überqueren Straßen, wenn es für sie sicher ist. Dies haben sie im Mobilitätstraining gelernt. In den meisten Fällen tun sie dies, wenn kein Auto in der Nähe fährt, es also relativ ruhig ist. Ein mit laufendem Motor haltendes Auto verwirrt eher, da der blinde Mensch nicht weiß, ob der Autofahrer ihn über die Straße lassen will oder vielleicht aus einem anderen Grunde stoppt. Hupen verwirrt noch mehr. Auch Handzeichen haben sich als ungeeignet herausgestellt.
  • Wenn Sie jemanden zu einem Stuhl führen, legen Sie die Hand des Arms, an dem der blinde Mensch geht, auf die Rückenlehne und sagen Sie dies der Person.
  • Begegnen Sie blinden Menschen genauso höflich und respektvoll, wie Sie dies bei sehenden Menschen tun. Nur weil jemand nichts oder schlecht sieht, muss man diese Person nicht gleich duzen.
  • Geben Sie nur hilfreiche Informationen. Hinweise wie "da drüben" helfen nicht, besser Sie sagen "hinter Ihnen" oder "auf der anderen Straßenseite".
  • Verhalten Sie sich normal. Sehen Sie einen Fleck auf der Kleidung einer blinden Person, machen Sie sie bitte taktvoll und diskret darauf aufmerksam, genauso wie Sie es im umgekehrten Fall erwarten würden.
  • Seien Sie sensibel, wenn Sie mehr über die Sehschädigungen wissen wollen. Fragen nach der Sehschädigung berühren den persönlichen Bereich und die Grenzen des anderen sollten dabei beachtet werden.
  • Seien Sie geduldig. Wenn man nichts sieht, dauert vieles länger oder ist schwieriger. Verlieren Sie nicht die Geduld, weil alles etwas länger dauert.